Ehrenpreise 2008

Die Ehrenurkunden des Preises der deutschen Schallplattenkritik e.V. gingen 2008 an den Bariton Thomas Hampson, der für sein diskographisches Lebenswerk ausgezeichnet wird, den Jazzpianisten und Bandleader Paul Kuhn sowie an den Restaurator historischer Schallaufnahmen Mark Obert-Thorn:

Thomas Hampson

hampsonSeine Stimme besitzt Charakter und Wärme, sie ist flexibel und wandlungsfähig. Bestechend auch seine Fähigkeit, Wort und Ton zu einer gleichermaßen reflektierten wie aussagekräftigen Einheit zu formen. Damit zählt Thomas Hampson zu den großen Baritonen seiner Generation. Sein umfassendes Repertoire von Monteverdi bis zu zeitgenössischer Musik spiegelt sich auf diversen Tonträgermedien in überragender Weise: ob in seinen Opernproduktionen des deutschen, italienischen und französischen Faches oder in seinem Einsatz für die Gattung Lied, die Hampson sowohl auf dem Gebiet des Mahler-Gesangs und der Mahler-Forschung als auch durch sein Projekt "Song of America" wesentlich geprägt hat. Alle Einspielungen Hampsons zeugen von einer großen Wahrhaftigkeit des Singens (für die Jury: Christoph Vratz).


Paul Kuhn

kuhnEin Leben wie ein großer Kreis. Er begann als Jazzmusiker und mauserte sich zu einem der populärsten Entertainer Nachkriegsdeutschlands. Ein Fernsehgesicht. Der Mann am Klavier, dem man überall „noch ’n Bier“ bringen durfte. Erfolgreicher Schlagersänger, anerkannter Chef der SFB-Big Band. Bis ihn die Gezeitenwende in den 1980er Jahren vorübergehend aus der öffentlich-rechtlichen Wahrnehmung fortspülte. Wie gut, dass Paul Kuhn nie vergaß, wo seine Wurzeln lagen. Seit mehr als zehn Jahren umschlingt ihn der Jazz wieder mit offenen Armen. Und er zahlt es mit klingender Münze zurück, auch mit über 80. Ein Unterhaltungskünstler im allerbesten Wortsinn, der in jeder Lebenslage den Nerv des Publikums trifft und die Saat für aktuelle Galionsfiguren wie Roger Cicero, Götz Alsmann und Till Brönner legte. Seine immer wieder gestellte Kardinalfrage klingt wie eine Mahnung an all jene, die Popularität oft genug mit Populismus verwechseln: "Where is the melody?" Ohne Melodie, so meint er, geht nämlich überhaupt nichts. Sie soll schlüssig sein, etwas aussagen. Wer Anspruch und Spaß, E- und U-Musik zusammenbringen möchte, sollte dieses einfache wie geniale Credo einer unbestrittenen Instanz wie Paul Kuhn nie aus den Augen verlieren (für die Jury: Reinhard Köchl).

Mark Obert-Thorn

obertWiederveröffentlichungen historischer Einspielungen haben seit Jahren Hochkonjunktur. Das verführt viele Produzenten zu schnellem Handeln – häufig leider auf Kosten der Qualität. Dass das Restaurieren alter Schallaufnahmen jedoch eine Kunst sein sollte, die – wie jede Kunst – in der Sensibilisierung der Wahrnehmung und im handwerklich geschulten Reagieren darauf besteht, das lehrt seit einem Vierteljahrhundert Mark Obert-Thorn, ein Musiker, dessen Instrument der Plattenspieler ist. Mit seinen Klangrestaurierungen hat er eine Vielzahl von Musterbeispielen vorgelegt, die demonstrieren, wie sorgfältig und differenziert in diesem Bereich gearbeitet werden kann, um ein Optimum an Unmittelbarkeit zu erhalten, ohne die der historischen Schallquelle ureigene Qualität zu verfälschen (für die Jury: Martin Elste).


 

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