Ehrenpreise 2005

Die Empfänger der Ehrenurkunden 2005

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. zeichnete 2005 vier herausragende Persönlichkeiten des Musiklebens aus: Die Produzenten Klaus J. Neumann und Barbara Schwendowius (beide WDR), den Musiker und Komponisten Willem Breuker sowie den Misker und Dirigenten Thomas Zehetmair.

Im Rahmen der Preisverleihung fanden am 20. November 2005 Konzerte mit Thomas Zehetmair (im Berliner Musikinstrumenten-Museum, Beginn 11 Uhr) und Willem Breuker mit seinem Kollektief (im Palais der KulturBrauerei Berlin, Beginn 21 Uhr) statt.

Willem Breuker

"Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung« – der Titel von Christian Dietrich Grabbes 1822 verfassten Lustspiel beschreibt trefflich das musikalische Konzept von Willem Breuker. Der Klarinettist, Saxofonist und Komponist aus Amsterdam hat vor über dreißig Jahren schon zu seinem eigenen Stil gefunden, der Elemente unterschiedlichster musikalischer Strömungen aufmischt – von der Marschmusik bis zum Idiom von Kurt Weill – und sie mit Spielpraktiken des Jazz verbindet. Die aberwitzigen Improvisationen Breukers und seines Ensembles verbünden sich mit populär daherkommenden Zitaten zu unverhofften Klängen. Dass all dies mit viel humorvollem Hintersinn theatralisch auf die Spritze getrieben wird, ist keine billige Anmache, sondern zeigt, wie wichtig dem Künstler der Spaß an der Freude ist – ein Spaß, der die Musiker und ihr Publikum gemeinsam lachen lässt"

Klaus L. Neumann und Barbara Schwendowius

Von Köln gingen bereits seit 1954 wesentliche Impulse der historisierenden Aufführungspraxis aus, weil sich Redakteure des Westdeutschen Rundfunks mit besonderer Hingabe und beachtlichem Erfolg der Alten Musik angenommen hatten. 1976 trat Klaus L. Neumann deren Erbe an und fand zwei Jahre später in Barbara Schwendowius eine kongeniale Partnerin. Ihre Produktionen wurden dank der Verpflichtung von Musikern verschiedener Länder und Kontinente sowie durch Kooperation mit internationalen Tonträgerfirmen weltweit wahrgenommen und geschätzt. Viele der von ihnen betreuten Aufnahmen wurden international ausgezeichnet, darunter auch mehrfach vom "Preis der deutschen Schallplattenkritik". Beide Produzenten verstanden es, mit Engagement, fachlicher Kompetenz und menschlicher Einfühlungskraft für bisher Ungehörtes die richtigen Musiker zu gewinnen und trugen so wesentlich dazu bei, die Alte Musik auch ins Bewusstsein eines begeisterungsfähigen CD-Publikums zu rücken.

Thomas Zehetmair

Einst als geigendes Wunderkind gefeiert, ist Thomas Zehetmair inzwischen einer der vielseitigsten Musiker, der vom Barock bis zur Moderne, als Solist, Kammermusiker und jetzt auch als Dirigent gleichermaßen fasziniert. Sein Ideal ist nicht der "schöne", doch ach so glatte Geigenton, sondern das musikalische Kaleidoskop der Gefühle, die kein anderes Instrument als die Geige annähernd differenziert darstellen kann. Seine Violine singt von der emotionalen Vielfalt des Seelischen. Geprägt von der Herangehensweise Nikolaus Harnoncourts, nimmt Zehetmair die Noten ernst und transformiert sie vorurteilsfrei in ihren klingenden Aggregatzustand. So entstanden im Laufe von mehr als zweieinhalb Jahrzehnten maßstabsetzende, aufrüttelnde und gegen den Strich gebürstete Einspielungen von Kompositionen von Antonio Vivaldi bis Heinz Holliger, die der uniformen Gleichtönigkeit des Tonträgermarktes immer einen Gegenpol entgegengesetzt haben.
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