Ehrenpreise 2003

Die Empfänger der Ehrenurkunden 2003

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. zeichnete am 16. November 2003 in Berlin drei herausragende Persönlichkeiten des Musiklebens aus: Den Liedermacher Reinhard Mey, den spanischen Musikwissenscftlaer und Gambisten Jordi Savall sowie Richard Weize - Inhaber des Musiklabels "Bear Family Records" .

Reinhard Mey

mey1942 als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin in Berlin geboren, ging Reinhard Mey auf das dortige Französische Gymnasium und entdeckte bald seine frankophile Ader, die er in Frankreich unter dem Pseudonym Frédéric Mey mit preisgekrönten Chansons auslebte. Seit seiner ersten Single 1965 ("Geh und fang den Wind") erwies er sich immer wieder als Meister der geschliffenen und dennoch niemals unverbindlich glatten Songpoesie. Viele seiner Textzeilen haben als geflügelte Worte Eingang in den deutschen Wortschatz gefunden: Der Mörder ist immer der Gärtner. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Es gibt keine Maikäfer mehr. Sein erklärtes Ziel ist es, "in der kargen Dürre der deutschen Musiklandschaft die seltene, schöne, zarte Blume Chanson auszusäen, zu hegen und zu pflegen". Dieses Ziel erreicht er mit jeder neuen Platte, wobei man vor allem bei seinen Spätwerken nicht weiß, was man mehr bewundern soll: Die mit größter Sorgfalt und nicht selten mit verschmitztem Witz ziselierten Texte. Die musikalisch ausgefeilten Arrangements seiner oft epischen Lieder. Oder sein politisches und soziales Engagement wie auch sein kämpferisches Eintreten gegen Gleichgültigkeit und Mittelmäßigkeit, das sich in der Vergangenheit bisweilen in wortreicher Bekenntnislyrik Bahn brach.

Jordi Savall

savallSeit drei Jahrzehnten setzt sich der spanische Gambist Jordi Savall mit nicht nachlassender Leidenschaft und Intensität für die spanische Musik des Mittelalters, der Renaissance und der Barockzeit ein, zusammen mit dem von ihm und seiner Frau, der Sopranistin Montserrat Figueras, gegründeten Ensemble "Hespèrion XX", aus dem inzwischen "Hespèrion XXI" geworden ist, sowie als Dirigent der "Capella Reial de Catalunya" und des "Concert des Nations". Die Einspielungen seiner zahllosen Wiederentdeckungen – von den sephardischen Romanzen über die Sibyllinischen Gesänge des X. bis XV. Jahrhunderts bis zum "Cancionero de Palacio" – haben Maßstäbe gesetzt. Sie haben den Interpretationsstil und die Aufführungspraxis für diese bis dahin vergessene Musik neu definiert. In der Editionsreihe "Musica Iberica" ist Jordi Savalls innovative Arbeit vorbildlich dokumentiert. Die CD-Serien "Musica Gallica", "Musica Britannica" und "Musica Germanica" spiegeln darüber hinaus sein beispielhaftes Engagement für die gesamteuropäische Musik vor 1800 wider. Und sie präsentieren Jordi Savall als einen spiritus rector, wenn es gilt, neue Wege im Terrain der historisierenden Aufführungspraxis zu gehen. Mit seiner instrumentalen Virtuosität, seiner hohen Musikalität und überzeugenden Darstellungskultur hat er der Alten Musik den Weg auch ins 21. Jahrhundert gewiesen.

 

 

Richard Weize und Bear Family

weizeLatzhose, Zopf, Nickelbrille: Richard Weize gilt vielen Beobachtern als ein wenig exzentrisch. Dabei frönt er lediglich konsequent und kompetent seiner größten Leidenschaft: Er gibt Künstlereditionen als aufwändig gestaltete CD-Boxen heraus, die kaum einen Wunsch offen lassen. Zu diesem Zweck sucht er so lange in den Archiven der Plattenfirmen, bis er die echten Mastertapes der ersten Generation aufgetrieben hat. Zudem gibt er sich nicht mit halben Sachen ab, sondern lässt nicht locker, bis er alle Aufnahmen beisammen hat, die zur jeweiligen Edition gehören. So stellt er Boxen mit oftmals zahlreichen CDs zusammen, die dazu gehörigen reich bebilderten Begleittexte erreichen in der Regel den Umfang eines Buchs. Diese mustergültigen, akribisch zusammengestellten Edel-Editionen – von Lotte Lenya über Harry Belafonte und Johnny Burnette bis hin zu „Pop in Deutschland“ – veröffentlicht der 58-jährige Musikbesessene seit 28 Jahren auf dem Label Bear Family Records, das er zusammen mit seinem Kompagnon Hermann Knülle zur weltweit ersten Adresse für Wiederveröffentlichungen aus allen Bereichen der Popmusik aufgebaut hat. Über seine Arbeit sagt Weize klipp und klar: "Ich bin der Beste." Und da hat er recht.

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