Ehrenpreise 2002

Die Empfänger der Ehrenurkunden 2002

Der "Preis der deutschen Schallplattenkritik" e.V. zeichnete am 1. Dezember 2002 im Musikinstrumenten-Museum in Berlin drei herausragende Persönlichkeiten des Musiklebens aus:  Andreas Spreer (Inhaber des Labels Tacet), den Cembalisten und Hammerklavier-Spieler Andreas Staier sowie den libanesischen Musiker und Komponisten Rabih Abou-Khalil.

 

Andreas Spreer

spreerReden ist Silber, Schweigen ist Gold. In Anlehnung an dieses Motto nannte Andreas Spreer sein Label, das er 1989 zunächst als Einmann-Unternehmen gründete, Tacet. Seitdem hat der Diplom-Tonmeister rund 150 Aufnahmen veröffentlicht, die als audiophile Qualitätsprodukte bei Kritikern und Publikum gleichermaßen auf begeisterte Resonanz stoßen. Aufnahmen der Tacet Musikproduktion sind sozusagen Gold wert – das hat sich unter Klassikkennern mittlerweile herumgesprochen. Weder offensive Marketingstrategien noch restriktive Budgetplanungen bestimmen das Profil der Produktionen, sondern in künstlerischer wie auch in klanglicher Hinsicht unkonventionelle Konzepte. Spreer sprüht nur so vor Ideen, wie man das bekannte Klassikrepertoire neu und so natürlich wie möglich auf Tonträger konservieren kann. Und wenn es dem erklärten Ziel dienlich ist, wird eine anspruchsvolle Interpretation durchaus auch mal mit alten Röhrenmikrophonen, aber ansonsten modernster digitaler Ausrüstung aufgenommen. Mit "Premiere – Wir gehen ins Konzert" entwickelte Spreer 1990 das erste Musikquiz, bei der die technischen Möglichkeiten der CD adäquat genutzt wurden. In jüngster Zeit hat er Pionierarbeit in Sachen DVD-Audio geleistet und unter dem Begriff "Real Surround Sound" einige der überzeugendsten Multikanal-Produktionen im Klassikbereich produziert.

Andreas Staier

staierDer Cembalist und Hammerklavier-Spieler Andreas Staier hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit seiner umfangreichen Diskographie wesentlich dazu beigetragen, dass die Maßstäbe für die historisierende Aufführungspraxis neu definiert wurden. Sein Repertoire als Solo- und Konzertspieler, als sensibler Kammermusiker und kongenialer Liedbegleiter umfasst Werke vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Durch seine herausragenden pianistischen Qualitäten, durch die wissenschaftlich-editorische Akribie seiner Interpretationen sowie ihre stilistische und technische Souveränität nimmt er eine Sonderstellung ein. Klarheit und Prägnanz korrespondieren mit einem ungemein breiten Ausdrucksspektrum, beglückende Spontaneität und faszinierende Virtuosität mit ungewöhnlicher Ausdruckstiefe. Die vielen Schallplatten dokumentieren Staiers untrügliches Qualitätsbewusstsein und seine auf stilistischer Sicherheit fußende geistige Überlegenheit.

 

Rabih Abou-Khalil

khalil-fotoIn der Musik von Rabih Abou-Khalil spiegeln sich die reichen Erfahrungen eines Wanderers zwischen den Kulturen. Geboren und aufgewachsen im Libanon, ist er eng mit der orientalischen Überlieferung verbunden, die er gänzlich assimiliert, aber auch für neue Einflüsse geöffnet hat. In Europa lebend, beschäftigte er sich intensiv mit europäischer Klassik und Moderne wie auch mit dem amerikanischen Jazz. In einem langfristigen Schaffensprozess gelang es Rabih Abou-Khalil, die vielfältigen Erlebniswelten zu integrieren. Als einer der herausragenden Instrumentalisten auf dem Oud, der arabischen Laute, wie auch als Komponist hat er sich mit einer völlig eigenen Klangsprache profiliert. Seine zahlreichen CD-Einspielungen dokumentieren ein faszinierendes Spektrum von Solo-Aufnahmen über Kammerensembles bis zu großen Besetzungen. Fernab eines modischen Folklorismus überzeugt Rabih Abou-Khalil mit einer Musik, die aus dem Verständnis unterschiedlicher Traditionen zu zeitgenössischen Ausdrucksformen findet.

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg