Ehrenpreise 2001

Die Empfänger der Ehrenurkunden 2001

Der "Preis der deutschen Schallplattenkritik" e.V. zeichnete  am 7. Oktober 2001 in Bonn drei herausragende Persönlichkeiten des Musiklebens aus: Stefan Winter (Inhaber des Labels Winter&Winter), den Londoner Musiker Elvis Costello sowie das Alban Berg Quartett.

 

Stefan Winter

Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit beschäftigt das Streben nach dem Authentischen Musiker wie Musikproduzenten mehr denn je. Heute muß kein Stück Musik wie ein anderes klingen – auch nicht, wenn es sich um dieselbe Komposition handelt. Doch Repertoiresäulen wird man im Katalog von Winter & Winter, dem mittlerweile vier Jahre alten Kleinlabel aus München, ohnehin kaum finden; die Funktion der CD als Tonträger im vollen Sinn des Wortes interessiert Stefan Winter, Kopf des Familienunternehmens, ohnehin am wenigsten. Ihm ist es eher darum zu tun, mit seinen eigenen Mitteln – mit Phantasie und Mikrophon – die Möglichkeiten der CD zu weiten – über alle Gattungsgrenzen von Klassik und Jazz oder gar eines abgegriffenen Crossover hinaus. Dafür hat er das Genre des "Hörfilms" vielleicht nicht erfunden, aber zumindest bereichert, durch eine Reihe kleiner, bis in die Verpackung hinein feiner Produktionen, die sich an ganz unterschiedlichen Schauplätzen mit ganz unterschiedlichen Musiken beschäftigen: mit Tango in Buenos Aires und Kaffeehausklängen in Venedig, mit der Basler Fastnacht und mit bizarren Bühnenklängen eines Pariser Bordells; zuletzt ertönte Verdi von Schweizer Berggipfeln. Über die Jahre ist bei Winter & Winter eine wundersame Bibliothek des Hörens entstanden, in der zu stöbern sich lohnt und immer wieder Vergnügen macht.

Elvis Costello

costelloEs gehört schon eine gewisse Chuzpe dazu, sich als junger Londoner Musiker auf dem Höhepunkt der britischen Punk-Welle ausgerechnet den Namen Elvis als Pseudonym zuzulegen und sich so – und sei’s ironisch - mit dem König des Rock’n’Roll in Verbindung zu bringen. Auf seinem ersten Album verband Declan Patrick Aloysius MacManus alias Elvis Costello 1977 Pubrock und Punk und präsentierte sich mit Hornbrille und Jackett als Prototyp des durchgeknallten Bankangestellten. Danach überraschte er mit erstaunlichen Kurswechseln und scheinbar widersprüchlichen Konzepten: Eine fast 25-jährige Geschichte eines musikalischen Chamäleons – mit allen Höhen und Tiefen, aber stets mit eigenem, individuellen Profil. Costello blieb einer der rätselhaftesten und vielseitigsten Künstler im Pop-Bereich, der keine Moden und Trends mitmachte. Mal profilierte er sich als ernsthaft-grüblerischer Songwriter, als "King of America", mal begab er sich mit dem Brodsky Quartet auf das Parkett der ernsten Musik und komponierte für die Sopranistin Anne Sofie von Otter den Liederzyklus "Three Distracted Women". Er kooperierte mit dem legendären Songschreiber Burt Bacharach, und in jüngster Zeit erschien mit Anne Sofie von Otter sein Album "For The Stars", unter anderem mit Stücken von Tom Waits und John Lennon / Paul McCartney. Hier wie in seinem ganzen bisherigen Schaffen, das sich durch Sensibilität und Integrität auszeichnet, widersetzt sich Costello mit Erfolg jeder Kategorisierung und geht ohne Zugeständnisse an Markt oder Marketing seinen eigenen Weg (Foto: Universal).

 

Alban Berg Quartett

abqDas Alban Berg Quartett hat in den drei Jahrzehnten seines Bestehens seinem Namen alle denkbare Ehre gemacht: Dem Werk seines Patrons und damit der Zweiten Wiener Schule verpflichtet, schöpft es im Konzertsaal wie im Aufnahmestudio ebenso souverän aus dem epochalen Fundus der Wiener Klassik und deren romantischer Erben. Aber Haydn und Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms oder Dvorák klingen anders, wenn die Sensibilität der Spieler, auf den Spuren ihrer Lehrmeister vom LaSalle Quartet, an der Musik des 20. Jahrhunderts geschult ist. Das Alban Berg Quartett verrät die Leichtigkeit allen musikalischen Seins, das lichte Filigran, die exploratorische Intensität nie an puren Schönklang oder effektsichere Virtuosität. Sein modernes Repertoire von Berg und Berio bis zu Lutoslawski und Rihm, darunter zahlreiche Uraufführungen und Kompositionsaufträge, liest und hört sich wie das ABC der Neuen Musik. Überdies hat das Alban Berg Quartett im Zusammenwirken mit herausragenden Solisten wie Alfred Brendel, Sabine Meyer oder Heinrich Schiff auch im Quintettspiel neue Maßstäbe gesetzt. (Foto: EMI)

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg