Sporn, Korrektiv, Ermutigung. Ein Nachruf auf Ludolf Baucke

Ludolf Baucke Bonn. Am 31.Juli 2016 ist Ludolf Baucke in Hermannsburg gestorben, am 11.8. wurde er beerdigt im Kreis der Familie. Baucke war ein sehr guter Freund. Einen besseren findet man nicht. Er war Sporn, Korrektiv, Ermutigung, Ideenborn, Fundbüro, Sprungbrett, Entdecker und Zuflucht. Viele Jahre, bevor ich ihn persönlich kennenlernte, kannte ich schon seine Texte über Musik. Neben seinem Lehrerberuf schrieb er Musikkritiken für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für die Neue Musikzeitung, für die Hannoversche Allgemeine, mit Witz, einer unverwechselbar bizarren Feder und mit dialektisch geschärftem Blick für Widerstände. Irgendwann in den neunziger Jahren, bei einer der jährlichen Mitgliederversammlungen des PdSK-Vereins, an denen ich genau so selten Gelegenheit hatte, teilzunehmen, wie andere permanent reisende Musikkritiker auch, sah ich ihn zum ersten Mal. Er leitete natürlich die Diskussion. Oder führte er Protokoll? Jedenfalls sah ich ihn erstmals eingreifen, ordnen, klären, schallen, wüten, lachen. Dieser Herr Baucke, lernte ich, ist zwar ein durchaus lauter Mensch. Kein Angsthase, kein Leisetreter, auch alles andere als ein Diplomat. Aber vor allem ist er ein ganz ausgezeichneter Zuhörer.
Baucke steigt nicht sofort in den Ring, wenn etwas schief läuft, jemand loslabert, sich erregt. Er sagt nur: „Hm. Na gut.“ Und hört zu. Aber dann kommt irgendwann zuverlässig und messerscharf Bauckes Analyse mit Conclusio. Wie viele gordische Knoten hat er im Laufe der Jahre für den PdSK e.V. auf diese Weise zerschlagen, mit seinem Blick für das Wesentliche? Wie oft hat er uns gut und richtig geraten?

baucke-4Geboren 1939 in Stade, studierte Ludolf Baucke an der Musikhochschule in Hannover Klavier (bei Karl Engel) und nebenher Geographie. Er entschied sich für das Lehramt. Von 1963 bis zu seiner Pensionierung 2001 stand er im niedersächsischen Schuldienst, seit 1978 als Leiter des Hannover-Kollegs. 1980, als man noch Schallplatten aus Vinyl auflegte, wurde er Juror beim Preis der deutschen Schallplattenkritik und wirkte in diversen Jurys, Jahresausschüssen und Vorständen mit. Dass ihn die digitale Revolution, die das Musikhören ebenso grundlegend umwälzt wie den Diskurs über Musik, nicht nervös gemacht hat, dafür sorgte seine angeborene Neugierde auf Neues, die manchmal etwas Unbändiges hatte. Als Musikkritiker wie als Juror liebte er die Musik lebender Komponisten, besonders politisch inspirierte, besonders Stücke, die sich nicht von selbst verstehen, außerdem interebaucke-kritikerquartettssierte er sich für alles, was das Klavier betrifft, aber auch das Horn, sowie für junge Musiker, für Unbekanntes, Fremdartiges, für bildende Kunst, für Geschichte. Wichtiger als die allzu leicht verholzenden Metaebenen der Diskussion ist ihm wohl immer eher die Sache selbst gewesen, das lebendige Kunstwerk, als Menschenäußerung, in seiner Vielfalt. Im Kurzporträt seiner selbst schrieb Baucke über Baucke: „Lässt sich immer wieder überraschen von provozierender Musik, gleich ob alt oder neu, nah oder fern, klassisch oder nichtklassisch.“ So war es. Er fehlt.
Eleonore Büning

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