Franz Liszt: Via Crucis

03-Listz-ViaCrucis-ALPHA390Es gibt auch einen Franz Liszt, der anders war als die Klischees, mit denen er behängt wurde: tiefgläubig, spirituell, fern von weltlicher Eitelkeit und Virtuosenklingeleien, durch die er in jungen Jahren zum spätromantischen Publikumsliebling geworden war. Mit seiner Kreuzweg-Kantate „Via Crucis“ hat er eine Zukunftsmusik geschrieben, die der diatonischen Harmonik den Boden unter den Füßen wegzieht. Sie tönt zeitlos, ist einer höheren Macht verpflichtet. Der Chor klein besetzt, der Orgel- bzw. Klavierpart konsequent auf die Struktur fokussiert. Man hört lutherische Choräle, pentatonische und gregorianische Passagen und staunt über jene visionär verklärten Momente, in denen der Abbé die Tür zur Atonalität öffnet. Reinbert de Leeuw hatte „Via Crucis“ in der Klavierversion bereits 1986 erstmals eingespielt, mit dem Netherlands Chamber Choir. Diese Zweiteinspielung mit dem Collegium Vocale Gent ist eine betörend radikale, zugleich strenge Meditationsübung: ein Mysterium, wie nicht mehr von dieser Welt. (Für den Jahresausschuss: Joachim Mischke)

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