Musik in einer unfriedlichen Welt

lueck-hartmutUnser Jurykollege Hartmut Lück ist am 4. Juli nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Viele Jahre hatte er den Konzertbetrieb in Rundfunk und Presse begleitet und uns sein umfangreiches Wissen zur Verfügung gestellt. Schon seit Anfang letzten Jahres fehlte er in unseren Reihen. Wir vermissen seine kritische Stimme, und werden sie künftig vermissen.

Geboren 1939 in Posen, studierte Hartmut Lück in Marburg, München und Bremen Sprachwissenschaften mit Schwerpunkt Slawistik und Germanistik. Musikwissenschaft war sein Nebenfach. 1975 wurde er in Bremen mit der Doktorarbeit zum Thema „Fantastik, Science-fiction, Utopie. Das Realismusproblem der utopisch-fantastischen Literatur“ promoviert. Seine musikpublizistische Tätigkeit drehte sich häufig um Themen im Schnittpunkt von Musik und Gesellschaft. Er veröffentlichte Texte und Interviews über Luigi Nono, Helmut Lachenmann, György Kurtág, Zoltán Jeney, Karl Amadeus Hartmann, Hans Werner Henze, schrieb für den Weserkurier und die Frankfurter Rundschau, gestaltete Sendungen für den Deutschlandfunk Köln, den Hessischen Rundfunk und für Radio Bremen – wo er auch an der legendären Reihe „Roll over Beethoven“ beteiligt war. Dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gehörte er über vierzig Jahre lang an.

Hartmut Lück war ein politisch engagierter Musikkritiker aus innerer Überzeugung, doch respektierte er stets die Eigengesetzlichkeit der Musik. „Das Kunstwerk ist in erster Linie Kunstwerk, und nur als solches kann es jene karthartische Wirkung entfalten, die politische Gehalte als sinnfällig, nachvollziehbar und anspornend erscheinen lässt“, schrieb er 2005 im Aufsatz „Musik in einer unfriedlichen Welt“: Seine mit Liebe zur Musik verbundene Urteilssicherheit wird uns ebenso in ehrender Erinnerung bleiben wie die klare, aber bescheidene und menschenfreundliche Art seines Auftretens. (Für den PdSK: Max Nyffeler)
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